Uni-Magazin-Logo

Tagen in Freiburg? Beste Voraussetzungen!

 

Freiburger Geographin hat die Stadt Freiburg als Kongreßstandort erforscht

 

Im vergangenen Jahr erreichten die Gästeübernachtungen in Freiburg einen neuen Rekord: 689.000 Übernachtungen, 27.000 mehr als im Vorjahr meldenten die Hotels und Gasthöfe. Ein guter Teil davon geht auf das Konto von Kongreßreisenden. Für Tourismusplaner sind diese spendablen Gäste aus Wirtschaft und Wissenschaft eine attraktive aber leider kaum erforschte Zielgruppe. Cornelia Kappler, Magistra Artium (M.A.) und Absolventin des Instituts für Kulturgeographie der Albert-Ludwigs-Universität, hat sich deshalb in ihrer von Privatdozent Dr. Fred Krüger betreuten Magisterarbeit des unbekannten Wesens "Kongreßreisender" angenommen.

"Nachzulesen gab es da nicht viel", erinnert sich die Wissenschaftlerin an den Beginn ihrer Forschungen. Kein Wunder, denn der Kongreßreisemarkt ist ständig in Bewegung und kaum eine Stadt kommt auf die Idee, entsprechende Daten systematisch zu erheben. Kappler entwarf deshalb einen Fragebogen, den sie im Herbst 1996 auf neun nationalen und internationalen Freiburger Kongressen, die zusammen von über 4000 Teilnehmern besucht wurden, auslegte. Die Befragten sollten darin Angaben zu Aufenthaltsdauer, Übernachtungsart, Verkehrsmitteln, zu ihren täglichen Ausgaben sowie zu ihrer Bildung und Berufsgruppe machen. Außerdem hatten sie Gelegenheit, ihre Kongreßstätte und die Stadt Freiburg bewerten. 460 Bögen erhielt Kappler schließlich zurück; genug um dem schemenhaften Freiburger Kongreßgast etwas schärfere Konturen zu verleihen.

 

Tagungshungrige Akademiker

 

Laut Kapplers Studie ist der typische Freiburger Kongreßgast Akademiker, arbeitet als Angestellter oder Selbständiger und reist für drei Tage per Bahn oder PKW aus einer deutschen Stadt an. Ausländische Gäste, allen voran Briten, Niederländer und Österreicher, machten bei den untersuchten Kongressen nur ein knappes Viertel der Teilnehmer aus. Und während die USA die größte Gruppe der Freiburger Besichtigungstouristen stellen, lagen Amerikaner als Kongreßreisende mit knapp 10 Prozent an vorletzter Stelle; nur aus Kanada kamen noch weniger Wissensdurstige. Zu diesem Klientel paßt auch die Wahl der Unterkünfte: Über drei Viertel der Kongreßreisenden bevorzugten gehobene Hotels und Gasthöfe. Preiswertere Übernachtungsmöglichkeiten, wie Pensionen, Privatzimmer, Campingplätze oder Jugendherbergen spielten kaum eine Rolle. Als Ursache vermutet Kappler, daß entsprechend junge Kongreßteilnehmer fehlen und preiswerte Unterkünfte oft außerhalb der Stadtmitte liegen.

 

Spendable Österreicher

 

Eine der Kernfragen der Geographin war die nach der wirtschaftlichen Bedeutung der Kongreßgäste für die Stadt. Die städischen Tourismusplaner werden gerne hören, daß die leitenden Angestellten und höheren Beamten unter den Bildungsgästen bis zu 142 Mark für eine Übernachtung ausgaben und insgesamt bis zu 256 Mark pro Tag in Freiburg ließen. Die anderen Berufsgruppen gaben zusätzlich zu den reinen Tagungskosten täglich zwischen 150 und 200 Mark aus, während sich Schüler und Studenten ihren Kongreßbesuch mit gerade einmal 81 Mark am Tag regelrecht vom Munde absparten. Spendabel zeigten sich überraschenderweise die Österreicher. Sie ließen sich ihr Zimmer im Schnitt 339 Mark kosten und gaben für Einkäufe noch einmal 120 Mark aus - das drei- bis vierfache dessen, was Holländer und Deutsche in die Freiburger Läden trugen. Schön wäre es doch, mögen sich Gastronomen und Einzelhändler wünschen, wenn diese Kongreßgäste mit locker sitzendem Geldbeutel länger in der Stadt blieben. Womöglich, mag mancher hoffen steigerten sie ihre Ausgaben noch, je besser sie Freiburg kennenlernen. Kapplers Zahlen zerstören solche Hoffnungen zunächst. Die meisten Kongreßreisenden, nämlich 29 Prozent, blieben nur drei Tage, 22 Prozent hatten vier Tage Zeit und immerhin noch 16 Prozent blieben fünf Tage lang. Dann fällt die Kurve der Verweildauer steil ab - eine Woche konnten gerade noch 5 Prozent der von Kappler befragten Gäste für ihre Weiterbildung opfern.

 

In Begleitung großzügiger

 

"Die Aufenthaltsdauer hat keinen merklichen Einfluß auf das Ausgabeverhalten der Kongreßteilnehmer", konnte Kappler feststellen. Auch die Ansicht, auf internationalen Kongressen werde mehr ausgegeben als auf nationalen, konnte sie anhand ihrer Stichprobe widerlegen. Bestätigen ließ sich dagegen, daß Mediziner nicht zu den Sparsamsten gehören. Sie gaben mit durchschnittlich 282 Mark am Tag fast fünfzig Mark mehr aus, als Kongreßbesucher aus der Wirtschaft und 125 Mark mehr als tagende Wissenschaftler. Kongreßteilnehmer aus dem sozialen Bereich begnügten sich sogar mit nur 81 Mark am Tag. Einfluß auf das Ausgabeverhalten hat aber auch die Reisebegleitung; wer mit Frau oder Familie reist, zeigt sich offenbar generell großzügiger, fand die Geographin heraus. Allerdings kam nur knapp ein Fünftel der von Kappler befragten Gäste mit einer oder mehreren Begleitpersonen nach Freiburg. Die Autorin sieht hier ein wirtschaftliches Potential, das es auszuschöpfen gilt: "Besichtigungs- und Unterhaltungsprogramme und günstigere Doppelzimmer sollten die Mitnahme einer Begleitperson attraktiver machen", rät sie.

 

Zielgruppenorientierte Zukunft

 

Insgesamt bescheinigt Kappler der Stadt Freiburg beste Voraussetzungen für eine Kongreßstadt: Vom kleinen Tagungshotel bis zum Konzerthaus, das auch Mammutkongresse bewältigt, seien genügend Angebote vorhanden; dasselbe gelte für Herbergen jeder Kategorie. Nachdem Freiburg aber strategisch ungünstig in der Südwestecke der Republik liegt und die großen, wiederkehrenden Kongresse längst an andere Orte vergeben sind, wäre es ihrer Ansicht nach falsch, in Zukunft auf internationale Großveranstaltungen zu setzen. Wie auch die von ihr befragten Veranstalter sieht Kappler Chancen in kleineren und kürzeren Tagungen. Besonderes Augenmerk sollten die Tourismusförderer dabei auf die solventen ausländischen und in Begleitung reisende Kongreßgäste legen. "Hier wäre ein zielgruppenorientiertes Marketing mit entsprechenden Angeboten föderlich", ist sie überzeugt. Nähme man zudem die wenigen von den Gästen beklagten Nachteile der Stadt - vor allem das hohe Preisniveau bei Hotels, Gastronomie und Parkplätzen wurde bemängelt - ernst, könnte der Sektor Kongreßtourismus sogar noch ausgebaut werden. Freilich wird ein Kongreßaufenthalt immer etwas vom Blitzbesuch behalten; schließlich steht die Fortbildung im Mittelpunkt des Aufenthalts und immer weniger Führungskräfte können ihren Arbeitsplatz für längere Zeit verlassen. Dennoch empfiehlt Cornelia Kappler, die eiligen Kongreßreisenden zu hätscheln: "Sie könnten später als Besichtigungs- oder Urlaubsreisende wiederkommen".

 

zum Inhaltsverzeichnis